Mobilität der Zukunft
Fahrzeugdaten und Data Act: Wer auf die Daten Ihres Autos zugreifen darf
22. September 2026 · 5 Min. Lesezeit · von D&D Automotive GmbH
Ein vernetztes Auto sendet laufend Daten an den Hersteller: Fehlerspeicher, Verschleißwerte, Standorte. Seit September 2025 verlangt der europäische Data Act, dass Sie als Halter selbst an diese Daten kommen und sie an eine Werkstatt Ihrer Wahl weitergeben dürfen. Was das im Alltag bedeutet.
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Welche Daten ein modernes Auto erzeugt
Ein Fahrzeug mit eingebauter Mobilfunkeinheit meldet weit mehr als seine Position. Steuergeräte protokollieren Fehlercodes, Ölzustand, Bremsbelagstärke, Batterietemperatur, Ladezyklen und die Art, wie gefahren wird: Beschleunigung, Bremsdruck, Geschwindigkeit. Dazu kommen Nutzungsdaten der Infotainment-Systeme, Kontakte aus dem gekoppelten Telefon und Kamerabilder der Assistenzsysteme. Bei den meisten Herstellern laufen diese Daten zunächst auf deren eigene Server. Wer danach Zugriff bekommt, hat der Hersteller bisher weitgehend allein entschieden. Für Sie als Halter war das lange unsichtbar. Sie haben es höchstens gemerkt, wenn die Vertragswerkstatt schon vor dem Termin wusste, welcher Sensor gestört hat.
Was der Data Act seit September 2025 ändert
Die EU-Datenverordnung, kurz Data Act, gilt seit dem 12. September 2025 unmittelbar in allen Mitgliedstaaten. Sie erfasst vernetzte Produkte jeder Art, vom Kühlschrank bis zum Pkw. Kern der Regelung: Wer ein vernetztes Produkt nutzt, hat Anspruch auf die Daten, die es bei der Nutzung erzeugt. Der Hersteller muss sie Ihnen ohne unnötige Verzögerung und in einem gängigen Format zugänglich machen, auf Wunsch fortlaufend. Sie dürfen zudem verlangen, dass er die Daten direkt an einen Dritten weitergibt, den Sie benennen, etwa eine freie Werkstatt oder einen Versicherer. Für die Weitergabe darf der Hersteller von diesem Dritten eine angemessene Vergütung nehmen, von Ihnen selbst nicht. Ausgeschlossen bleiben Daten, die Geschäftsgeheimnisse berühren, und Inhalte, die das Auto aus den Rohdaten erst errechnet.
Was das für die Werkstattwahl bedeutet
In der Praxis bringt Ihnen die Regelung dort etwas, wo eine Werkstatt außerhalb des Herstellernetzes arbeitet. Bisher musste sie Fehlerspeicher über die OBD-Buchse auslesen, ohne die Vorgeschichte zu kennen, die der Hersteller längst gespeichert hatte. Mit dem Datenzugang kann sie sehen, wann ein Fehler zum ersten Mal auftrat, wie oft er wiederkam und welche Serviceeinträge das Auto selbst meldet. Das spart Diagnosezeit, die Sie bezahlen. Wie flüssig das läuft, hängt vom Hersteller ab: Einige stellen Portale für Drittanbieter bereit, andere verlangen für jede Anfrage einzelne Formulare. Eine freie Werkstatt im Landkreis Rottweil, die Fahrzeuge vieler Marken sieht, muss sich mit mehreren solcher Zugänge arrangieren. Fragen Sie beim Termin nach, ob die Werkstatt den Herstellerzugang für Ihre Marke schon nutzt.
Versicherer, Vermieter und die Frage nach dem Fahrstil
Dasselbe Recht, das der Werkstatt hilft, kann gegen Sie arbeiten, wenn Sie es unbedacht einsetzen. Telematiktarife der Kfz-Versicherer beruhen genau auf den Fahrstildaten, die Ihr Auto ohnehin erhebt. Ein Rabatt für vorsichtiges Fahren ist attraktiv, bis eine Vollbremsung auf der B462 als Risikoereignis in der Statistik landet. Der Data Act verpflichtet niemanden, Daten freizugeben. Er gibt Ihnen das Recht dazu, und Sie entscheiden, wer sie bekommt. Prüfen Sie bei jedem Dienst, der Zugang verlangt, welche Datenkategorien er sieht und ob er sie weiterleitet. Bei Fahrzeugen mit mehreren Fahrern, etwa Firmenwagen oder Familienautos, gilt der Datenschutz jener Personen, die nicht Halter sind. Der Arbeitgeber darf den Firmenwagen also nicht ohne Weiteres per Herstellerdaten überwachen.
Was Sie selbst einstellen und prüfen können
Fast jeder Hersteller bietet in der App oder im Fahrzeugmenü eine Übersicht, welche Datenkategorien übertragen werden, meist unter Begriffen wie Datenschutz, Privatsphäre oder Datenfreigabe. Dort lässt sich die Standortübermittlung häufig getrennt von den technischen Fahrzeugdaten abschalten. Die technischen Daten sollten Sie laufen lassen, sonst funktionieren Ferndiagnose und Wartungserinnerung nicht. Verlangen Sie beim Gebrauchtwagenkauf, dass der Vorbesitzer sein Konto vom Fahrzeug trennt, sonst sieht er weiterhin, wo das Auto steht. Und wenn Sie den Datenzugang für eine Werkstatt Ihrer Wahl einrichten wollen, beginnt der Weg beim Kundenportal des Herstellers, nicht bei der Werkstatt. Der Antrag dauert je nach Marke wenige Minuten oder einige Wochen.
Häufige Fragen
Muss ich für den Zugang zu meinen Fahrzeugdaten bezahlen?
Nein. Der Data Act verpflichtet den Hersteller, Ihnen als Nutzer die Daten kostenlos bereitzustellen. Eine Vergütung darf er nur von Dritten verlangen, die Sie mit dem Datenempfang beauftragen, etwa einer Werkstatt.
Gilt der Data Act auch für ältere Autos?
Er gilt für vernetzte Produkte, die Daten an den Hersteller senden. Ein Auto ohne eingebaute Mobilfunkeinheit erzeugt zwar Daten im Fehlerspeicher, überträgt sie aber nicht. Hier bleibt das Auslesen über die OBD-Buchse in der Werkstatt der übliche Weg.
Kann die freie Werkstatt dann alles reparieren wie die Vertragswerkstatt?
Der Datenzugang verbessert die Diagnose. Für Reparaturen braucht die Werkstatt weiterhin die technischen Informationen und gegebenenfalls Freischaltungen des Herstellers, die über andere Regelungen zugänglich sind. Beides zusammen macht die freie Werkstatt bei vernetzten Fahrzeugen gleichwertig.
Die D&D Automotive GmbH in Rottweil liest Fehlerspeicher markenübergreifend aus und ordnet die Befunde gemeinsam mit Ihnen ein. Bringen Sie beim nächsten Werkstatttermin die Zugangsdaten Ihres Herstellerportals mit, dann klären wir, welche Daten die Diagnose beschleunigen.
